Warum Windkraft Weitblick und Rücksicht braucht

von Dr. Helmut Röscheisen, Generalsekretär des Deutschen Naturschutzrings (DNR)

Portrait Helmut RöscheisenAls 1957, vor über fünfzig Jahren, das erste moderne Windrad mit 100 kW Nennleistung (“Hütter W34″) in Deutschland errichtet wurde, ahnte niemand, welche Bedeutung die Windkraft für unsere Energieversorgung gewinnen würde – aber auch nicht, dass gerade diese regenerative Energiegewinnung die gesellschaftliche Meinung einmal so polarisieren könnte.

Mit zunehmender Anzahl, Effizienz und Leistung der Anlagen ist die Windkraft in den vergangenen 20 Jahren zu einem bedeutenden Faktor der Stromproduktion herangewachsen. Das ist aus Sicht einer nachhaltigen Entwicklung und eines entsprechend angelegten Energiesystems prinzipiell positiv zu sehen.

Ein solches Energiesystem ist auch Teil einer zukunftsfähigen Politik, wie sie der Deutsche Naturschutzring (DNR) fordert. Als Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände nimmt der DNR eine besondere Verantwortung für unsere Umwelt wahr. Umso mehr ist er über die langfristigen Folgen einer Klimaveränderung und immer knapper werdender Ressourcen besorgt.

Die weltweite Energieerzeugung entspricht derzeit überhaupt nicht den Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung. Die heute genutzten, überwiegend fossilen Energieträger sind zum einen nur in sehr begrenztem Maß vorhanden, zum anderen setzen sie enorme Mengen an Kohlendioxid frei. Das Treibhausgas verändert die Atmosphäre und bewirkt eine globale Erwärmung mit weitreichenden und sehr schädlichen Folgen für Mensch und Natur.

Dem wachsenden Energie- und Klima-Problem kann man aber entgegenwirken: durch Energieeinsparung, die effiziente Nutzung von Energie und den Ausbau der erneuerbaren Energien als Mix aus Wind- und Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse und Erdwärme. Im Rahmen dieses Drei- Säulen-Modells des DNR ist die Windenergie ein wichtiger Baustein: Sie birgt – im Gegensatz zur konventionellen Energieerzeugung – keinerlei elementare Gefahren (wie beispielsweise Unfälle in Atomreaktoren, langfristige Risiken der atomaren Endlagerung oder andere Umwelt- und Klimaschädigungen). Zudem ist die Windenergie neben der Biomasse- und Wasserkraftnutzung heute die innovativste und effizienteste Methode, um klimafreundlichen Ökostrom zu erzeugen.

Dennoch gibt es in Deutschland mancherorts eine abnehmende Akzeptanz gegenüber dem weiteren Ausbau dieses Energieträgers. Das ist einerseits dann der Fall, wenn vor Ort negative Erfahrungen gemacht wurden – wofür es Beispiele gibt. Andererseits werden der Windenergie aber ganz allgemein Auswirkungen zugeschrieben, die beeinträchtigend sein sollen oder zumindest so empfunden werden. Wie man dies in der
Bevölkerung letztlich beurteilt, geht oft weit auseinander – und sorgt manchmal sogar dafür, dass die unterschiedlichen Meinungen entsprechend unversöhnlich aufeinander prallen.

Um die tatsächlichen Wirkungen der Windkraft auf Mensch, Natur und Umwelt in der Öffentlichkeit ohne Scheuklappendarzustellen und fachlich einwandfrei zu beurteilen, führt der DNR – gefördert vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt – eine Informationskampagne “Natur und umweltverträgliche Nutzung der Windenergie (onshore)” durch. Dafür wurden eine umfangreiche Grundlagenanalyse, eine ausführliche Broschüre und ein Flyer erstellt. Zudem wurde ein Vorschlag für eine internationale Leitlinie zum umwelt- und sozialverträglichen Ausbau der Windenergie verfasst. Im Wesentlichen verfolgen wir damit zwei Hauptziele:

  • Die Umwelt- und Naturverträglichkeit der Windenergienutzung soll verbessert werden. Dazu stellt die Kampagne klar, welchen Kriterien und Anforderungen die Windenergie in jedem Einzelfall genügen muss, um wirklich von einer natur- und umweltverträglichen Nutzung und damit auch von Nachhaltigkeit sprechen zu können.
  • Zweitens will die Kampagne die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung und bei den Entscheidungsträgern positiv beeinflussen, um so die Voraussetzung zu schaffen, dass die Windkraft auch in Zukunft einen wachsenden Anteil zur Energieerzeugung beitragen kann. Objektive und fundierte Informationen sollen diffuse und unbegründete Ängste abbauen und unsachliche Argumente entlarven.

Nach Auffassung des DNR ist es – mit entsprechender Sorgfalt – möglich, Windenergieanlagen so zu planen, zu bauen und zu betreiben sind, dass schädliche Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt ganz oder weitgehend vermieden werden. Damit ist ein Ausbau der Windenergie im Rahmen des energiepolitisch Notwendigen möglich – und können gleichzeitig unsere bedeutenden Naturwerte bewahrt werden.

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