Einführung
Das Landschaftsbild ist das vom Menschen wahrnehmbare Erscheinungsbild einer Landschaft. Es verkörpert die Gesamtwirkung der für den Menschen mit dessen Sinnen wahrnehmbaren Merkmale und Eigenschaften von Natur und Landschaft.
Die Landschaftswahrnehmung wird dabei vorrangig von visuellen Eindrücken bestimmt, wobei diese aus natürlichen und anthropogenen Elementen bestehen können. Aber auch nichtvisuelle Sinneseindrücke wie Gerüche, Geräusche oder Geschmacks- und Tastsinn können die Wahrnehmung mitprägen. All diese Komponenten können das optische Landschaftsbild entsprechend ihrer Qualität und Intensität bereichern oder beeinträchtigen. So wird der Duft des Waldes oder Vogelgesang im Allgemeinen eher ein positiveres und im Gegensatz dazu Industrie- / Verkehrslärm und Abgase ein eher negativeres Landschaftsbild hervorrufen.
Wie Natur und Landschaft letztendlich wahrgenommen werden ist immer subjektiv. Es wird bestimmt vom wahrnehmenden Subjekt Mensch. Dessen Wahrnehmung erfolgt individuell unterschiedlich und wird u.a. beeinflusst durch dessen Prägung, Ethik, Bildung, Erziehung sowie Erfahrungen und Verhalten. Im direkten Moment des Wahrnehmens kommen dann zusätzlich weitere subjektspezifische Faktoren, wie die augenblickliche Gemütslage und die momentane Tätigkeit, hinzu. Insbesondere die individuelle Vorprägung spielt bei der Wahrnehmung eine äußerst gewichtige Rolle, da ein Bild meist unbewusst, auf Grundlage des Wissens hin, interpretiert wird. Daher beschreibt BARTH1 die visuelle Wahrnehmung als einen kreativen Prozess. Diese individuelle Wahrnehmung führt dazu, “dass es voraussichtlich keinen Betrachter von WEA gibt, der diese identisch mit einem anderen Betrachter wahrnimmt”.2
Das subjektiv wahrgenommene Landschaftsbild bildet dann letzten Endes die Grundlage für das emotionale Verhältnis des Menschen zur Natur. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass die visuelle Wirkung von WEA nicht allein aus den altbekannten Regeln der Architektur behandelbar ist, sondern z.B. auch die erst teilweise erforschte Evolutionspsychologie hinzugezogen werden kann, um emotionale Wirkungen verstehen zu können.2
Die Landschaftsbildwahrnehmung, als Ergebnis aller im jeweiligen Naturraum wirkenden Faktoren, entzieht sich weitgehend naturwissenschaftlich fundierten und objektiven Kriterien, auch wenn es ein “menschliches Maß” gibt, dass unser kollektives ästhetisches und harmonisches Empfinden bestimmt. Dieser Zusammenhang kann außerdem zur Folge haben, dass nicht nur vom Menschen unbeeinflusste, ursprüngliche Landschaften eine positive Bewertung des Landschaftbildes hervorrufen. Genauso gut können großflächige Rapsfelder oder blühende Obstplantagen, also selbst intensiv genutzte Agrarlandschaften, als schön und ästhetisch ansprechend empfunden werden.
Damit das Landschaftsbild, aufgrund der individuellen unterschiedlichen Wahrnehmung, für die Planung beschreibbar gemacht werden kann, wird bei der Bewertung häufig nur auf die objektiv beschreibbaren Landschaftselemente zurückgegriffen und entsprechende Kriterienkataloge zur Vereinheitlichung der Bewertung erarbeitet. Mit Hilfe der Begriffe aus der Gesetzgebung, Vielfalt, Eigenart und Schönheit, werden erste inhaltliche Kriterien für die Landschaftsbilderfassung formuliert. Dabei lässt sich die Vielfalt einer Landschaft mit Hilfe von sogenannten Landschaftselementen, d.h. visuell erfassbaren Bestandteilen (z.B. Bäume, Hecken, Felsen, Gebäude, Meilensteine) greifbarer machen. So kann eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Landschaft, die weder über Feldgehölze oder Wegraine verfügt, ein Beispiel für den Verlust von Vielfalt darstellen. Der Begriff Eigenart steht für das typische Erscheinungsbild, die Unverwechselbarkeit und Identität einer Landschaft. Darunter sind nicht nur natürliche, sondern auch vom Menschen geschaffene Strukturen sowie kulturhistorische Bauten zu verstehen. Der dritte Begriff Schönheit ist aufgrund seiner subjektiven und individuellen Wahrnehmung der am schwierigsten fassbare Begriff. Er drückt sich meist als Ergebnis von Vielfalt und Eigenart des Naturraums aus. Sonst wird Schönheit aber auch durch den Begriff Naturnähe ersetzt.
Hochwertige Landschaftsbilder existieren entweder in bisher weitgehend unangetasteten Landschaften oder sind durch menschliche Eingriffe bzw. kulturhistorisch gewachsen.
Umblättern zu: WEA können zu vielfältigen landschaftsästhetischen Beeinträchtigungen führen
- BARTH, F. (2009): Visuelle Wahrnehmung, Hochschule Neu-Ulm. s. Internet. [↩]
- MARQUARDT, K. (2011): Windenergieanlagen (WEA) in der Landschaft. Unveröffentlichte Expertise. [↩] [↩]



